Mittwoch, 30. Dezember 2009



Das Buch

Auf dem Fenstersims lag heute ein Stapel Bücher.
Schmale Bände. Kurz hingelegt. Abgelegt. Vielleicht, um sie wohin zu geben. Griffbereit.

Dieses wunderbare Sprossenfenster aus mittelbraunem Holz neben der Eingangstüre, welche ebenfalls aus Sprossen gefertigt worden war, mit diesem atemberaubenden Blick auf auf den tiefblauen See und die höchsten Berggipfel im Schnee, auf der anderen Seite des Tals.

Die üppige Bracht der blühenden Pflanzen neben mir. Ihr Duft.

Der Läufer aus schmalen, leicht abgerundeten, flachen Holzstäben schwebte auf den sandfarbenen Fliesen.

Erinnerungstücke überall liebevoll aufgebaut und dekoriert. Federn.

Neulich, als ich bei ihr gewesen war, schwamm in einem winzigen tönernen Gefäß eine zarte Blüte auf dem Wasser. Daneben war ein ebenso winziger Frosch aus blaugrün glasiertem, glänzendem Ton dekoriert.

Ein kunstvoll gefaltetes Objekt aus goldener Folie lang wie eine ausgezogene Ziehharmonika hing heute über der Wendeltreppe aus hellem Holz. Was ist das? Ein magischer Zylinder? Ein Zauberhut? Ein Sternenrohr? Ein Kanal?

Der Kristall.

Ich bückte mich, um aus meinen Schuhen zu schlüpfen und betrachtete dabei immer noch den Umschlag des obersten Bandes, konnte meinen Blick nicht von ihm lösen.

Blau, ganz blau war er, mit einem weißen Vogel, einer Möwe, die ganz alleine hoch am Himmel flog.

Der Titel war in ungarischer Sprache darauf geschrieben. Er begann mit einem "S".

Es war das Buch Die Möwe Jonathan.